Eine Geschichte von der Liebe

 



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Tag Zwei. Der Tag begann für mich so gegen elf Uhr. Ich wollte eigentlich gar nicht aufwachen oder gar aufstehen. Nur schleppend bewegte ich mich durch den Tag. Eine geistige Müdigkeit hatte mich befallen, Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Lethargie. Ich konnte mich nur schwer dazu überwinden mich in die Küche zu stellen, um wenigstens die noch übriggebliebenen Kartoffelpuffer zu machen. Der Tag würde lang werden, daß wußte ich, entsprechend brauchte ich irgendetwas im Magen. Im Anschluß legte ich mich aufs Sofa und guggte DVD. Eigentlich ganz entspannend, aber dieses Gefühl von Unwohlsein blieb dennoch in der Magengegend zurück.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen einkaufen zu gehen, doch irgendwie konnte ich mich nicht aufraffen und verschob den Einkauf auf den nächsten Tag. Vielleicht war es das schlechte Gewissen, daß mir dieses Unwohlsein bescherte. Vielleicht erwartete ich von mir selbst, das ich mich nicht so sehr gehen lasse und meinen häuslichen Pflichten nachzukommen habe. Ich weiß es nicht...
Das Telefongespräch mit meinem geliebten Stern war sehr kurz, aber es ist auch einfach zu teuer. Auf der anderen Seite hatte ich auch nicht wirklich viel zu erzählen, da ich ja nichts getan hatte bisher und es mir auch unangenehm war darüber zu sprechen. Ich wollte soviel erledigen, Bewerbungen schreiben, mich nach Arbeit umsehen, zum Gewerbeamt gehen, einkaufen gehen, Musikmachen, Polsterwaffen bauen, am Kettenhemd weiterarbeiten... Ich hätte soviele sinnvolle Beschäftigungen, aber nichts von all dem reizte mich.
 
Aber wahrscheinlich steigere ich mich zu sehr in meine Einsamkeit hinein. Ich bin auch gerade erst aus der Dusche gekommen, habe bis ein Uhr Nachts gearbeitet und bin dann von Laatzen aus mit dem Fahrrad in die Nordstadt geradelt... eigentlich ganz geil, war gut zum aklimatisieren. Dennoch bin ich recht müde, aber zum Schlafengehen reicht es nicht...
 
Schwelge ich stattdessen noch ein wenig in der Vergangenheit...
 
 
 
 
2. Eintrag: Erste Schritte
Von Engel

Nach meiner Trennung machte ich mit meinem Stern und ihrem damaligen Partner reinen Tisch. Es kam der Verdacht auf, daß ich mich in deren Beziehung drängte, was unweigerlich der Fall, jedoch nicht meine Absicht war. Ich mochte sie sehr, aber ich respektierte auch ihren Partner und vor allem ihre Partnerschaft. Sie kämpfte um ihre Beziehung, doch letztendlich war es ein Kampf gegen Windühlen. Die Lebensfreude war aus diesem zartbesaiteten Menschen gewichen.

Es gab wenige besondere Momente, in denen ich einen Eindruck davon bekam, welch wunderbarer und glücklicher Mensch sie doch gewesen war, früher. Aber es waren jenen gemeinsamen Momente, die uns einander näherbrachten:
 
Ich habe sie in Sorsum besucht, als sie alleine war, ich war mit ihr Radfahren und Eisessen, ich half ihr beim Umzug, ich habe sie oft bei der Arbeit besucht, mich mit ihr unterhalten, wir waren auf wundersame Weise in Gedanken verbunden, dachten oft dasselbe, lachten über die gleichen Witze, sagten zur selben Zeit vollkommend aus dem Zusammenhang gerissen die selben Worte. "[...] fünf Monate [...]"  

Wenn wir davon ausgehen würden, daß wir seit unserer ersten Begegnung durch ein dünnes, seidenes Band verbunden waren, dann können wir auch davon ausgehen, das diese gemeinsamen Erlebnisse diese Bindung gestärkt haben.

Allerdings gab es während dieser Zeit auch viele, wie soll ich sagen, schwierige Momente.

So geschah es, daß wir Abends weggegangen waren, ich sie im Anschluß nach Hause brachte und wir uns noch einige Stunden gut unterhalten hatte. Ich muß dazusagen, daß ich zu diesem Zeitpunkt frisch getrennt war und noch mit den Folgen zu kämpfen hatte. Mein geliebter Stern steckte dagegen inmitten einer ausgewachsenen Krise. Schlußendlich landeten wir weinend auf ihrem Bett, lagen dort Arm in Arm und trösteten einander. So nah, wie in jenem Moment, waren wir uns zuvor noch nie gekommen. Und seltsamerweise fühlte es sich so richtig an. Wr wußten beide, daß wir hier eindeutig eine Grenze überschritten hatten, aber es kam uns nicht falsch vor. Wir beide brauchten eben jene Schulter, jenen Trost, in jenem Moment. Niemand sonst auf dieser gottverlassenen Welt hätte für uns dasein können, wir hatte nur uns und eben diese schlimmen Gedanken und Erinnerungen. Natürlich blieb die Nacht nicht ohne Folgen. Sie teilte ihrem Partner die Geschehnisse jener Nacht mit, in der eigentlich nichts unmoralisches geschehen war. Als Folge dessen kochte in ihrem damaligen Partner die Eifersucht hoch, aber dies war im Prinzip eine höchst wünschenswerte emotionale Reaktion von ihm, da er ja ansonsten sehr wenige Emotionen zeigte... aber darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen, da jedwede Äußerung meinerseits nicht wertungsfrei und wenig objektiv wäre. Dafür habe ich auch einfach viel zu viel miterleben müssen...

Die nächste Grenze die überschritten wurde war eigentlich die gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbrachten. Mittwochs Kino, Dienstag Schwimmen, Sonntags Juggersport, manchmal noch Samstags sie auf Arbeit besuchen, nahezu täglich chätten.

Es fiel mir schwer auf Abstand zu gehen. Wir hatten es versucht, um ihrer Beziehung willen, mit wenig Erfolg. So wie ich sie brauchte, brauchte sie mich als Freund. Und ich war da, so gut ich eben konnte.

Die letzte Grenze die überschritten wurde, war auch mit die schmerzlichste Erfahrung, die wir miteinander teilen durften... Es war ein Kuss. Ein flüchtiger Kuss, der eigentlich nicht hätte geschehen dürfen, der aus dem Affekt heraus und vollkommend mechanisch stattfand. Ich kann mich noch bildlich an die Situation im Hausflur erinnern: Ich trat durch die Tür ihrer WG, drehte mich um, wir wollten uns umarmen und auf einmal küßte sie mich vollkommend selbstverständlich. Ich war überrascht, erschrocken, vielleicht sogar schockiert. Es folgten wie einstudiert die Worte "Ich weiß auch nicht warum ich das getan habe, mir war danach." und dann trennten sich unsere Wege. Auf dem Nachhauseweg erreichte mich eine Kurzmitteilung mit einer Entschuldigung. Sie konnte einfach nicht begreifen, was da eben geschehen war und auch ich war verunsichert. Sie wußte zu diesem Zeitpunkt bereits, was ich für sie empfand. Mein Stern machte sich große Vorwürfe deswegen, weil sie womöglich Hoffnung gesät hatte, wo vielleicht keine Hoffnung war. Aus diesem Gespräch heraus, dieser schriftlichen Konversation, bekam ich meinen Kosenamen, Engelskrieger, weil ich mit einer engelsgeduld, einer göttergleichen Güte und Verständnis ihr gegenüber getreten war, wie sie es scheinbar nur selten erlebt hatte...

Und auf einmal blickte ich nach langer langer Zeit wieder zum Himmel hinauf und erblickte die Sterne, wie sie in neuem Glanze erstrahlten und auf einmal spürte ich, daß sich etwas verändert hatte. Etwas war anders geworden...
11.6.08 03:16
 



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