Eine Geschichte von der Liebe

 



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Ein Engel greift nach den Sternen

Eine Geschichte über die Liebe


 

Vorwort: Prolog
Von Engel

„Das höchste Glück des Lebens besteht in der Überzeugung, geliebt zu werden.“ (Victor Hugo)

Die Liebe. Es ist schon seltsam, wie die Leben zweier unterschiedlicher Menschen durch den Lauf der Geschichte so sehr ineinander verstrickt werden können, daß an ein Leben ohne eben jenen anderen Menschen nicht mehr zu denken ist.

Wie es dazu kam, soll hier in Episodenform von uns niedergeschrieben werden.

„Wem nie durch Liebe Leid geschah, dem ward auch Lieb durch Lieb nie nah; Leid kommt wohl ohne Lieb allein, Lieb kann nicht ohne Leiden sein!“ (Gottfried v. Straßburg) Viele deutsche Dichter und Poeten haben mich mit ihrer Dichtkunst auf diesem Wege begleitet, sie haben in Worte fassen können, was ich nur schwerlich begreifen wollte oder konnte und auch nicht zum Ausdruck zu bringen vermochte.

Liebe und Schmerz. Hoffnung und Verzweiflung. Es mußten sehr viele Tränen fließen, bevor das Schicksal uns vereinen konnte, aber ich bin mir heute sicherer denn je, daß keine Träne vergebens war...



9.6.08 12:00


Es ist Dienstag, 10. Juni 2008. Gestern in der Früh ist mein geliebter Stern nach Amsterdam aufgebrochen. Ich bin allein. Sie ist allein. Es war ein Abschied mit Tränen, wie wir es Beide erwartet hatten, aber das Wiedersehen wird umso schöner. Dennoch, der Schmerz des Verabschiedens war kein geringer und die Verlustängste sie auf womöglich tragische Weise zu verlieren, sind umso größer. Ich habe etwas sehr kostbares geschenkt bekommen und ich erinnere mich gerne daran, wie alles begann...

 

 

1. Eintrag: Gedanken
Von Engel

Ich habe sie im März/April 2007 kennengelernt. Es ist ungelogen, aber... ich habe sie gesehen und dachte mir schon damals "Wow, was für eine Frau!" Sie schien alle Qualitäten zu besitzen, die ich an einer Frau schätze: Intellekt, wunderschöne Augen, eine tolle Figur, einen klasse Humor, ein wundervolles Lächeln, sie war agil, unternehmungslustig, kontaktfreudig, manchmal auch sehr kindisch, manchmal ziemlich keck und frech, sie war einfühlsam, konnte gut zuhören... Zusammengefaßt, eine Frau mit unheimlich vielen Facetten, aber in jedem Fall etwas ganz Besonderes.

Sie hatte mich in den Bann gezogen. Ich wollte in ihrer Nähe sein, sie näher kennenlernen. Vielleicht kam es nur mir so vor, aber zeitweise hatte ich das Gefühl, daß meine aggressiven Flirtversuche zu übertrieben, zu offensichtlich, zu aufdringlich und vor allem vollkommend unangebracht waren, denn sie steckte in einer wenig glücklichen Beziehung, ich war in einer wenig glücklichen Beziehung gefangen... Minus und Minus ergibt aus mathematischer Sicht ein Plus, doch wie auch ich, vertrat mein geliebter Stern sehr altmodische und, böse Zungen würden vielleicht sogar behaupten, konservative Ansichten. Ich würde lediglich sagen, daß wir eine gesunde ethische und moralische Grundeinstellung hatten und haben. Und dennoch, irgendetwas hatte sie in mir berührt, wachgerüttelt, ein Gefühl, daß schon lange Zeit in mir schlummerte, ein Verlangen, das gestillt werden wollte und mein Handeln und Denken beeinflußte...

Aus diesem regelmäßigen jede Woche wiederkehrendem Miteinander wurde eine schöne Freundschaft. Aus heutiger Sicht bin ich mir nicht einmal mehr sicher, ob wir jemals "nur" Freunde waren.

Von Anfang an schien die Chemie zu stimmen, wir konnten miteinander reden und dies auf einem gehobenen Niveau, wir konnten miteinander lachen. Innerhalb kurzer Zeit wurde zwischen uns ein Band gesponnen, daß auf Repsekt und Vertrauen basierte. Wir redeten über unsere Probleme, über unsere Wünsche und auf einmal schien in ihr ein Mensch heranzuwachsen, der in meinen Augen so wunderschön wurde, daß ich Gewissensbisse bekam. Ich spürte, wie sich meine Gefühlswelt veränderte und ein Verlangen immer größer wurde. Kurzum, ich hatte mich verliebt.

Es klingt so traurig, sagen zu müssen, daß ich mir nicht erlaubt habe, mich in jemanden zu verlieben, aber unter den gegebenen Umständen war dies nicht so einfach. Ich steckte in einer langjährigen wenig glücklichen Beziehung fest, klammerte mich zuletzt vor allem an materiellen Dingen fest und hatte Angst davor Menschen zu verletzen und zu enttäuschen. Und trotzdem merkte ich, daß mir diese junge Frau, die ich dort kennengelernt hatte, sehr viel mehr geben konnte, als der Partner an meiner Seite. Und diese Tatsache gab mir zu denken.

Wie konnte es sein, daß eine liebe Freundin mir mehr geben konnte als mein Partner?

Die folgenden Wochen und Monate waren sehr schwer. Es war eine Gratwanderung aber vor allem auch der ständige Wechsel zwischen Dunkelheit und Licht, der so unheimlich an meinen Kräften zehrte. Ich hatte ernsthafte Probleme mit meinem Gewissen bekommen. Ich vertraute mich einer damaligen Freundin aus Leipzig an, um zu ergründen, was in mir vorging... Es ist so krass, aber, ich war drei Tage lang in Leipzig, um dort auf der Messe zu arbeiten und es war okay. Ich dachte keine Sekunde lang an zu Hause, es gab nichts, was ich missen mußte, wie es schien. Wenn ich dagegen betrachte, wie es mir jetzt gerade in dieser Sekunde ohne meinen geliebten Stern ergeht... ich hätte schon viel früher erkennen müssen, daß ich auf verlorenem Posten stand und für die falsche Mannschaft gespielt hatte... Vieles ist aus heutiger Sicht sehr viel klarer. Natürlich! Man lernt dazu, man lernt vor allem aus seinen vorangegangenen Erfahrungen. Und darum ist es um so wichtiger, eben diese Gedanken niederzuschreiben, sie niederzuschreiben, um zu verstehen, zu begreifen...

To be continued...


10.6.08 12:58


Tag Zwei. Der Tag begann für mich so gegen elf Uhr. Ich wollte eigentlich gar nicht aufwachen oder gar aufstehen. Nur schleppend bewegte ich mich durch den Tag. Eine geistige Müdigkeit hatte mich befallen, Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Lethargie. Ich konnte mich nur schwer dazu überwinden mich in die Küche zu stellen, um wenigstens die noch übriggebliebenen Kartoffelpuffer zu machen. Der Tag würde lang werden, daß wußte ich, entsprechend brauchte ich irgendetwas im Magen. Im Anschluß legte ich mich aufs Sofa und guggte DVD. Eigentlich ganz entspannend, aber dieses Gefühl von Unwohlsein blieb dennoch in der Magengegend zurück.
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen einkaufen zu gehen, doch irgendwie konnte ich mich nicht aufraffen und verschob den Einkauf auf den nächsten Tag. Vielleicht war es das schlechte Gewissen, daß mir dieses Unwohlsein bescherte. Vielleicht erwartete ich von mir selbst, das ich mich nicht so sehr gehen lasse und meinen häuslichen Pflichten nachzukommen habe. Ich weiß es nicht...
Das Telefongespräch mit meinem geliebten Stern war sehr kurz, aber es ist auch einfach zu teuer. Auf der anderen Seite hatte ich auch nicht wirklich viel zu erzählen, da ich ja nichts getan hatte bisher und es mir auch unangenehm war darüber zu sprechen. Ich wollte soviel erledigen, Bewerbungen schreiben, mich nach Arbeit umsehen, zum Gewerbeamt gehen, einkaufen gehen, Musikmachen, Polsterwaffen bauen, am Kettenhemd weiterarbeiten... Ich hätte soviele sinnvolle Beschäftigungen, aber nichts von all dem reizte mich.
 
Aber wahrscheinlich steigere ich mich zu sehr in meine Einsamkeit hinein. Ich bin auch gerade erst aus der Dusche gekommen, habe bis ein Uhr Nachts gearbeitet und bin dann von Laatzen aus mit dem Fahrrad in die Nordstadt geradelt... eigentlich ganz geil, war gut zum aklimatisieren. Dennoch bin ich recht müde, aber zum Schlafengehen reicht es nicht...
 
Schwelge ich stattdessen noch ein wenig in der Vergangenheit...
 
 
 
 
2. Eintrag: Erste Schritte
Von Engel

Nach meiner Trennung machte ich mit meinem Stern und ihrem damaligen Partner reinen Tisch. Es kam der Verdacht auf, daß ich mich in deren Beziehung drängte, was unweigerlich der Fall, jedoch nicht meine Absicht war. Ich mochte sie sehr, aber ich respektierte auch ihren Partner und vor allem ihre Partnerschaft. Sie kämpfte um ihre Beziehung, doch letztendlich war es ein Kampf gegen Windühlen. Die Lebensfreude war aus diesem zartbesaiteten Menschen gewichen.

Es gab wenige besondere Momente, in denen ich einen Eindruck davon bekam, welch wunderbarer und glücklicher Mensch sie doch gewesen war, früher. Aber es waren jenen gemeinsamen Momente, die uns einander näherbrachten:
 
Ich habe sie in Sorsum besucht, als sie alleine war, ich war mit ihr Radfahren und Eisessen, ich half ihr beim Umzug, ich habe sie oft bei der Arbeit besucht, mich mit ihr unterhalten, wir waren auf wundersame Weise in Gedanken verbunden, dachten oft dasselbe, lachten über die gleichen Witze, sagten zur selben Zeit vollkommend aus dem Zusammenhang gerissen die selben Worte. "[...] fünf Monate [...]"  

Wenn wir davon ausgehen würden, daß wir seit unserer ersten Begegnung durch ein dünnes, seidenes Band verbunden waren, dann können wir auch davon ausgehen, das diese gemeinsamen Erlebnisse diese Bindung gestärkt haben.

Allerdings gab es während dieser Zeit auch viele, wie soll ich sagen, schwierige Momente.

So geschah es, daß wir Abends weggegangen waren, ich sie im Anschluß nach Hause brachte und wir uns noch einige Stunden gut unterhalten hatte. Ich muß dazusagen, daß ich zu diesem Zeitpunkt frisch getrennt war und noch mit den Folgen zu kämpfen hatte. Mein geliebter Stern steckte dagegen inmitten einer ausgewachsenen Krise. Schlußendlich landeten wir weinend auf ihrem Bett, lagen dort Arm in Arm und trösteten einander. So nah, wie in jenem Moment, waren wir uns zuvor noch nie gekommen. Und seltsamerweise fühlte es sich so richtig an. Wr wußten beide, daß wir hier eindeutig eine Grenze überschritten hatten, aber es kam uns nicht falsch vor. Wir beide brauchten eben jene Schulter, jenen Trost, in jenem Moment. Niemand sonst auf dieser gottverlassenen Welt hätte für uns dasein können, wir hatte nur uns und eben diese schlimmen Gedanken und Erinnerungen. Natürlich blieb die Nacht nicht ohne Folgen. Sie teilte ihrem Partner die Geschehnisse jener Nacht mit, in der eigentlich nichts unmoralisches geschehen war. Als Folge dessen kochte in ihrem damaligen Partner die Eifersucht hoch, aber dies war im Prinzip eine höchst wünschenswerte emotionale Reaktion von ihm, da er ja ansonsten sehr wenige Emotionen zeigte... aber darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen, da jedwede Äußerung meinerseits nicht wertungsfrei und wenig objektiv wäre. Dafür habe ich auch einfach viel zu viel miterleben müssen...

Die nächste Grenze die überschritten wurde war eigentlich die gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbrachten. Mittwochs Kino, Dienstag Schwimmen, Sonntags Juggersport, manchmal noch Samstags sie auf Arbeit besuchen, nahezu täglich chätten.

Es fiel mir schwer auf Abstand zu gehen. Wir hatten es versucht, um ihrer Beziehung willen, mit wenig Erfolg. So wie ich sie brauchte, brauchte sie mich als Freund. Und ich war da, so gut ich eben konnte.

Die letzte Grenze die überschritten wurde, war auch mit die schmerzlichste Erfahrung, die wir miteinander teilen durften... Es war ein Kuss. Ein flüchtiger Kuss, der eigentlich nicht hätte geschehen dürfen, der aus dem Affekt heraus und vollkommend mechanisch stattfand. Ich kann mich noch bildlich an die Situation im Hausflur erinnern: Ich trat durch die Tür ihrer WG, drehte mich um, wir wollten uns umarmen und auf einmal küßte sie mich vollkommend selbstverständlich. Ich war überrascht, erschrocken, vielleicht sogar schockiert. Es folgten wie einstudiert die Worte "Ich weiß auch nicht warum ich das getan habe, mir war danach." und dann trennten sich unsere Wege. Auf dem Nachhauseweg erreichte mich eine Kurzmitteilung mit einer Entschuldigung. Sie konnte einfach nicht begreifen, was da eben geschehen war und auch ich war verunsichert. Sie wußte zu diesem Zeitpunkt bereits, was ich für sie empfand. Mein Stern machte sich große Vorwürfe deswegen, weil sie womöglich Hoffnung gesät hatte, wo vielleicht keine Hoffnung war. Aus diesem Gespräch heraus, dieser schriftlichen Konversation, bekam ich meinen Kosenamen, Engelskrieger, weil ich mit einer engelsgeduld, einer göttergleichen Güte und Verständnis ihr gegenüber getreten war, wie sie es scheinbar nur selten erlebt hatte...

Und auf einmal blickte ich nach langer langer Zeit wieder zum Himmel hinauf und erblickte die Sterne, wie sie in neuem Glanze erstrahlten und auf einmal spürte ich, daß sich etwas verändert hatte. Etwas war anders geworden...
11.6.08 03:16


Tag Vier. Der gestrige Tage war womöglich der schlimmste Tag: Unverhofft lag Post im Briefkasten, eine Rechnung, der Betrag nicht unerheblich. Da ich derzeit eh existentielle Ängste ausstehe und mein geliebter Stern nicht zugegegen ist, gab mir diese Nachricht quasi den Rest.
 
Ich machte auch Gebrauch von dem "Seelenbrot", daß mir mein geliebter Stern einst geschrieben und anvertraut hatte, welches ich in höchster Not öffnen und lesen sollte.
 
Diese Zeilen sind so wundervoll verfaßt, voller Gefühl, voller Liebe,... ich kann gar nicht in Worte fassen, welche Welle an Emotionen dies in mir wachrüttelt. So sitze ich hier, lese diese von ihr geschriebenen Zeilen und spüre, wie die Tränen mir unweigerlich in die Augen schießen...
 
Ich liebe Dich so sehr, mein geliebter Stern, ich kann es nicht in Worte fassen, wie sehr. So sehr freue ich mich darauf Dich wiederzusehen, Dich in meine Arme zu schließen und mit meinen Küssen Dich zu liebkosen... Bald ist es geschafft, bald sind wir wieder vereint. Ich freue mich so sehr. Es sind nur noch 30 Stunden, dann sehen wir uns wieder und ich sehne mich so sehr nach Dir...
12.6.08 14:55


Mein geliebter Stern ist nun seit anderthalb Wochen wieder hier. Das Wiedersehen war wirklich überwätligend und sehr schön. Die Vorfreude war groß und sie wieder in meine Arme schließen zu dürfen, war wunderschön...

 

26.6.08 15:01


Joah... ich habe heute einen Brief von einer lieben Brieffreundin aus meiner Jugendzeit erhalten. Ich habe von ihr mehrere Jahre nichts mehr gehört, glaube vier oder so. Schön war es zu hören, daß es ihr und ihrem Mann gut geht und überrascht war ich, wobei, nee, eigentlich nicht wirklich, das sie zwei Kinder haben. Hat mich sehr gefreut und ich habe die Gelegenheit genutzt ihr zu schreiben, habe natürlich auch von uns erzählt und was wiederfahren ist, wie wir zusammengekommen sind, vor allem aber, welches Glück ich habe einen so liebenswerten Menschen wie meinen geliebten Stern getroffen zu haben... es waren bewegende Augenblicke. Das Schreiben viel mir zwar leicht, aber die Gefühle das Schreiben in mir wachrüttelte waren überwältigend, überwältigend schön.

Es scheint wohl so, daß ich noch heute nicht ganz verstanden habe, welches Glück uns wiederfahren ist und wie dankbar wir sein müssen.

7.7.08 14:35





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